Die Entstehung/Gründung und die Aktivitäten
der 1. Schwazer Faschingsgilde 1977

Vorwort

Lustige, ausgelassene, schelmische und heiter-satirische Menschen („Narren“) gab es in der langen Geschichte der Stadt Schwaz unzählige, doch zumeist waren diese „Solisten“ und nicht organisierbare Naturtalente. Daher gab es in der „5. Jahreszeit“ zwar bereits nach dem 1. Weltkrieg verschiedene Aktivitäten von Einzelnen/Gruppen und auch ent-sprechende Veranstaltungen (Umzüge, Narrentreiben udgl.), doch eine vereinsmäßige Organisation kam nie zustande.
In der Zwischenkriegszeit bzw. nach dem 2. Weltkrieg bis Anfang der 70er Jahre im letz-ten Jahrhundert organisierten vor allem die Frauen der Tabakfabrik („Tschiggin“), die Mit-glieder der Kolpingfamilie, die Musikkapellen der Stadt Schwaz, verschiedenen Vereine und auch z.T. Firmen entsprechende Faschingsveranstaltungen wie Bälle, Umzüge und allge-meines Narrentreiben. So z.B. waren die Faschingsumzüge der Firma Tyrolit oder die Un-sinnigen-Aufmärsche der Stadtmusikkapelle absolute „Highlights“ des Schwazer Faschingsgeschehens.
Neben diesen offiziellen Veranstaltungen gab es aber auch immer wieder Einzelpersonen die sich lose organisierten und als Gruppe bei Faschingsveranstaltungen auftraten. Besonders aktiv waren seit 1970 die „jungen Wilden“ des Stammtisches im Gasthof Brücke, welche insbesondere am „Unsinnigen“ oder bei den Faschingsumzügen in Jenbach als „Schwazer Narren“ in Erscheinung traten.

Gründungsphase

Im Sommer 1977 wurden (auf Initiative von Alf Lerchbaumer) ca. 20 Personen zu einem Grundsatzgespräch über die Gründung einer Schwazer Faschingsgilde eingeladen, welches dann am 27. August 1977 im Gasthof Brücke stattfand. Dabei erklärten sich die Herren Alois Hammerle, Günther Derfeser, Alf Lerchbaumer, Othmar Nagl, Siegfried Niederstätter, Kurt Prem, Peter Rieser und Helmut Thurnbichler zur Gründung einer Faschingsgilde bereit. Als Proponenten für die Vereinsgründung (Anmeldung bei der Vereinsbehörde) fungierten Alf Lerchbaumer, Siegfried Niederstätter und Helmut Thurnbichler.
Im November 1977 erfolgte die Nichtuntersagung der Vereinsstatuten durch die Vereins-behörde und somit die offizielle Bestätigung und behördliche Zulassung für die 1. Schwazer Faschingsgilde 1977 (Abkürzung: 1. SFG 77) als gemeinnütziger Verein.

Das erste Vereinsjahr

Voller Enthusiasmus, jedoch noch mit sehr vagen Vorstellungen begann der Start der 1. SFG 77. Bei den ersten Wahlen für den Gildenrat wurde Alf Lerchbaumer zum Obmann bestellt, Kurt Prem und Helmut Thurnbichler waren seine Stellvertreter. Um die Gilde auf eine breitere Basis zu stellen, ersuchten die Gildenräte bekannte Persönlichkeiten der Stadt um Unterstützung, welche in Form einer Patenschaft als Ehrensenatoren erfolgen
sollte. Doch noch war in Schwaz die Skepsis bezüglich eines organisierten Faschings groß und der neue Verein wurde mit Argusaugen beobachtet.
Die jeweiligen Gildenratssitzungen fanden entweder im Gasthof Brücke bzw. im Parkcafe statt und waren von einem hohen Maß an z.T. unrealistischen Wünschen und Plänen be-gleitet. Doch immerhin wurde bereits die erste Veranstaltung – ein Kindermaskenfest – beschlossen, vorbereitet, organisiert und letztendlich am 2. Sonntag im Jänner 1978 im Volkshaus Schwaz durchgeführt.
Für dieses erste Kindermaskenfest wurden Spenden gesammelt, Stofftiere zur Verteilung an die Kinder gekauft und ein Unterhaltungsprogramm (Musik, Zauberer) organisiert.
Rund 250 maskierte Kinder (mit ihren Eltern) kamen zur Veranstaltung, den Ehrenschutz hatte der damalige Bürgermeister Dir. Hubert Danzl, welcher sich stets als großer Förderer und Gönner des „neuen Schwazer Faschings“ zeigte, inne. Tatkräftige Helferinnen (neben den Gildenräten) in dieser „ersten Stunde“ waren die Damen Berta Teissl, Ilse Reiter, Ilse Wagner, Helga Wohlgemuth, Grete Aukenthaler und Annemarie Heubacher sowie die Ehefrauen, Lebensgefährtinnen und Freundinnen der Gildenräte. Die Gildenräte traten dabei zum ersten Mal in einer Tracht (Frack/Zylinder – beides ausge-liehen vom Landetheater Innsbruck) – auf.
Neben der Organisation für das Kindermaskenfest wurde gleichlaufend der erste große Auftritt der Gilde als Gruppe beim Jenbacher Maskenumzug 1978 vorbereitet. Die Gilde versuchte dabei auf drei aneinander gereihten Wagen die Darstellung der Erstbesteigung (ohne Sauerstoff) des Mount Everest durch Reinhold Messner bzw. Peter Habeler. Dieser Auftritt in Jenbach war, trotz zahlreicher Schwierigkeiten beim Wagenbau, ein durchschla-gender Erfolg und letztlich (zusammen mit dem ersten Kindermaskenfest) der Grundstein für die spätere Erfolgsstory der 1. SFG 77.
Zwischen dem Kindermaskenfest und dem Jenbacher Maskenumzug gab es am „Unsin-nigen“ 1978 noch einen Auftritt des Gilderates in Jenbach. Und an diesem Tag wurden auch Franz Krammer, Fritz Schösser, Ernst Thurnbichler, Hans Vorderleitner, Alois (Lois) Wechselberger und Maria Prantl zu den ersten Ehrensenatoren der Schwazer Faschings-gilde ernannt/bestellt. Und zugleich der Schwazer Narrenruf (siehe auch de.wikipedia.
org/wiki/narrenruf) mit „PROST SALVE“ festgelegt und festgeschrieben.
Die erstmalige offizielle Faschingseröffnung erfolgte am 11.11. 1978 (GH Brücke) und in der Saison 1978/1979 gabs zusammen mit dem Kindermaskenfest (Volkshaus) und dem erstmaligen „WEIBERBALL“ (im Gasthof Schnapper) bereits 3 (drei) eigene Veranstaltun-gen der 1. SFG 1977.

Der wiederkehrende Veranstaltungskalender der 1. SFG 1977

Seit 1979 führt die 1. SFG 1977 jährlich vier fixe (4) Veranstaltungen in Eigenver-antwortung durch. Diese gildeneigenen Veranstaltungen werden ausschließlich von den Mitgliedern des Gildenrates geplant und vorbereitet und in der Ausführung zusätzlich von den Ehrensenatoren/-innen sowie Ehefrauen, LebenspartnerInnen und Freunden, Freun-dinnen der Gildenräte und Ehrensenatoren unterstützt.

Faschingseröffnung am 11.11. eines jeden Jahres

Jeweils am 11.11. eines Jahres wird von der 1. SFG 1977 um 11 11 Uhr in Schwaz der Fasching offiziell „eröffnet“. Diese Faschingseröffnung ist eine öffentliche Veranstaltung, dabei wird das Programm für die jeweils folgende Saison vorgestellt. Ebenso erfolgen
Neuaufnahmen für den Gildenrat sowie die Ernennungen zu Ehrensenatoren und sonstige Ehrungen. Die Faschingseröffnung wird jeweils von einem umfassenden musikalischen Programm begleitet.

Schwazer Kindermaskenfest

Das Kindermaskenfest der 1. SFG 1977 wird seit 1978, jeweils an einem Sonntagnach-mittag im Jänner, durchgeführt. Teilnahmeberechtigt sind gundsätzlich alle Kinder
(von 0 – 14 Jahren) aus dem Raum Stadtgemeinde Schwaz bzw. der näheren Umgebung. Voraussetzung für die aktive Teilnahme ist eine Maskierung ohne spezifische Themenvor-gabe.
Veranstaltungsorte waren bisher das Volkshaus Schwaz, der Speisesaal in der Tyrolit-Werkskantine, der ehemalige Kolpingsaal Schwaz und seit ein paar Jahren der Silbersaal im Szentrum Schwaz.
Der Eintritt ist frei, die Kosten für die Veranstaltung werden durch Spenden (Schwazer Wirtschaft, Privatpersonen sowie freiwillige Beiträge der Eltern) und Eigenleistungen der Gilde aufgebracht.
An Gratis-Leistungen gibt es für die maskierten Kinder jeweils Würstl, Getränke, Süßig-keiten sowie ein Präsent (zumeist in Form eines Stofftieres).
Das Programm des Kindermaskenfestes umfasst musikalische Darbietungen (mit Tanzein-lagen), Clownerien, Filmvorführungen sowie ein Zaubererkurzprogramm und eine Kinder-disco.
Die Veranstaltung wird durchschnittlich von ca. bis 650 maskierten Kindern + beglei-tenden Eltern besucht. Die Dauer der Veranstaltung beträgt ca. vier bis fünf Stunden.

Schwazer Weibernacht (bis 2005 „Weiberball“)

Ausgehend von der Tradition des Schwazer Weiberfaschings (vornehmlich seinerzeit von den Frauen der Tabakwerke organisiert), wurde ab 1979 der „Weiberball“ wiederbelebt und durch die 1. SFG 77 neu etabliert.
Die Weibernacht (resp. vorher der Weiberball) findet jeweils am ersten Freitag im Februar statt. Die bisherigen Veranstaltungsorte waren/sind der Gasthof Schnapper (bis 2001), der Kolpingsaal in Schwaz und seit ein paar Jahren das Szentrum Schwaz.
Teilnahmeberechtigt (von Beginn der Veranstaltung an) sind ausschließlich maskierte Frauen, sowohl als Einzelpersonen als auch in der Gruppe.
Männer dürfen frühestens erst 3 ½ Stunden nach Veranstaltungsbeginn die Ballräumlich–keiten betreten.
Das Programm umfasst neben der laufenden Musikdarbietung (mit Tanz) ein bis zwei Auf-tritte einer männlichen Tanzgruppe (es sind dies die Mitglieder des Gildenrates) und bis 2005 eine Tombola bzw. ab 2006 einen „Men-Strip“ sowie eine Maskenprämierung.
Der Weiberball wurde bis zum Wechsel in Szentrum durchschnittlich von rd. 400-500 maskierten Damen besucht (die größte Teilnehmerinnenzahl betrug 595 maskierte Frauen). In den letzten Jahren stieg die Zahl der maskierten Damen auf bis über 850. Dazu kommen noch die später nachkommenden, männlichen Besucher.
Die Schwazer Weibernacht dauert im Schnitt ca. 8 – 10 Stunden und gilt als die größte und einzigartigste ihrer Art im Tiroler Unterland.

Der „Schwazer Unsinnige“

Ebenfalls ausgehend von bestehenden Traditionen (Aufmärsche/Umzüge und Konzerten der Stadtmusikkapelle Schwaz sowie Umzügen der Brauchtumsgruppe Schwaz und ande-ren Gruppen) wurde ab 1979 am UNSINNIGEN DONNERSTAG das “NARRENTREIBEN“ am Stadtplatz bzw. in der Stadt wieder belebt.
Der „UNSINNIGE DONNERSTAG“ ist jeweils der letzte Donnerstag vor dem Faschings-sonntag bzw. dem Aschermittwoch eines Jahres und gilt als „höchster Feiertag der Narren“.
Im Verlauf der letzten Jahre wurden im Rahmen des „Narrentreibens“ am „Unsinnigen“ in Schwaz zahllose verschiedene Veranstaltungselemente durchgeführt, wobei die 1. SFG 1977 immer als Veranstalter die Federführung inne hat.
Hauptprotagonisten des „Narrentreibens“ sind, neben der 1. SFG 1977, die Brauchtums-gruppe Schwaz sowie zahlreiche Vereine/Gruppen und zahllose Einzelpersonen die als „Matschgerer“ an diesem Tag in Erscheinung treten. Es gibt an die BesucherInnen (und vor allem für die „Narren“) keinerlei Themenvorgaben.
Jedermann/ jederfrau darf/kann an diesem Tag seiner/ihrer Phantasie und den eigenen „Befindlichkeiten“ nachgeben und nachgehen. Diese Form von „freiem Narrentreiben“ hat eine besonderes Eigendynamik und ein ein einzigartiges Flair, beides zusammen ergibt diesen spezifischen „Schwazer Fasching“. Eben der in erster Linie den SchwazerInnen „gehört“.
Die „Narrenzone“ umfasst den Stadtplatz sowie die Andreas Hofer- und Franz-Josef-Straße (bis zur Stadtpfarrkirche), sämtliche Lokale der Schwazer Innenstadt sowie das Rathaus und die Bezirkshauptmannschaft als „Narrenbars“.
Fixbestandteile des „Schwazer Unsinnigen“ sind – ab dem frühen Vormittag bis in die späteren Abend- und Nachtstunden – der Maskenaufmarsch der Schwazer Kindergärten, die Rathausbesetzung mit Schlüsselübergabe an den/die jeweilige(n) Narrenbürger-meisterIn, die Narrendisco, Maskenprämierungen, die „närrischen Stände“ der Vereine sowie sonstige närrische Aktivitäten von Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen.
Der „Schwazer Unsinnige“ ist am Unsinnigen Donnerstag die größte Veranstaltung dieser Art in Tirol und wird jährlich von bis zu knapp zehntausend Besuchern frequen-tiert.

Galaabende der 1. SFG 77

Seit dem 15-jährigen Bestandsjubiläum veranstaltet die Gilde jeweils alle fünf Jahre einen bzw. mehrere Galaabende, bei denen Ereignisse der Stadt bzw. allgemeiner Natur paro-diert/ „aufs Korn genommen“ und auf vielschichtige Weise vorgetragen werden.
Die Protagonisten/Bühnenakteure dieser Galaabende sind ausschließlich die Mitglieder des Gildenrates sowie Ehrensenatoren/-innen der 1. SFG 1977.
Die letzten Galaabende fanden im Jänner 2012 (anlässlich des 35-jährigen Bestandsjubiläums der 1. SFG 77) und 2017 statt.
2022 gibt es wieder Galaabende der 1. SFG 1977 .

Das soziale Engagement der 1. SFG 1977

Als einen wichtigen Auftrag, welcher auch in den Vereinsstatuten fixiert ist, betrachtet die Gilde die Unterstützung von sozialen Anliegen in der Stadt Schwaz. Dabei werden sowohl Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen – je nach Anlassfall – mit finanziellen Bei-trägen und Veranstaltungen unterstützt.

Stellvertretend für die Vielzahl an Unterstützungsformen seit Bestehen der Gilde sind u.a. zu nennen:
Lebenshilfe Schwaz, Brennmittelaktion, Pensionistenausflug sowie vor allem akute Anlässe/Schicksalsschläge wo Einzelpersonen/Familien/Kindern unmittelbar eine rasche finanzielle Hilfestellung geboten wird.

Seit ihrem Bestehen (1977) hat die 1. SFG 1977 unmittelbar ca. € 120.000.– (Stand Jänner 2017) für soziale Zwecke/Hilfestellungen in der Stadt Schwaz zur Verfügung gestellt.

Dieses soziale Engagement versteht die 1. SFG 1977 nicht als Zweckmittel der Selbstdarstellung, sondern als der Gemeinschaft und der Stadt Schwaz ver-pflichtende Aufgabe.

Die Philosophie des Schwazer Faschings

Die Philosophie bzw. der Leitgedanke der 1. Schwazer Faschingsgilde 1977 beruht auf mehreren Komponenten und ist auch in einer vereinseigenen, verbindlichen Präambel festgelegt.

Oberste Prämisse ist das alle Veranstaltungen der 1. SFG 1977 für jedermann/ jederfrau (d.h. auch jedwelcher Nationalität, Rasse und ohne „Ansehen der Person“, ohne gesellschaftliche oder sonstige Vorgaben/Zwänge bzw. zu einem erschwinglichen Eintrittspreis bzw. bei freiem Zutritt möglich sind.

Weiters gibt es für alle, dem Närrischen Zugänglichen, keinerlei Einschränkungen (ausge-nommen sittenwidrige und strafwürdige Formen/Verhaltensweisen) in Bezug auf die Mas-kierung, Themenreflektion oder die jeweiligen Unterhaltungsformen während einer Veranstaltung.

Ebenso wichtig ist, dass alle närrischen Veranstaltungen der Gilde nur bedingt (bis zu einem noch sozial verträglichen Maß) kommerzielle Elemente aufweisen. Der Zugang zu den einzelnen Veranstaltungen muß für alle soziale Schichten ohne großen ökonomischen Aufwand, gewährleistet sein. Daher gibt es für alle Veranstaltungen, bei denen es notwen-dig ist, nur den FREIEN KARTENVERKAUF. Beim Kindermaskenfest sowie beim Schwazer Unsinnigen ist der Eintritt/Zutritt sowieso FREI.

Und letztlich als unabdingbar gilt, dass der Schwazer Fasching von keinen Institutionen (Parteien, Verbänden etc.), Medien oder sonstigen, ausserschwazerischen Interessen vereinnahmt werden kann/darf.

Der Schwazer Fasching wiederspiegelt in einem hohem Maße die spezifische Schwazer Lebensfreude und ist daher vornehmlich einer nur für alle Schwazer-
innen und Schwazer.
Besucher/Gäste sind jedoch, wenn sie sich mit dieser besonderen Art von Schwazer Lebensgefühl identifizieren können, jederzeit und überall beim SCHWAZER FASCHING herzlich willkommen.

Die Schwazer Narrenbürgermeister seit 1979

Franz
KRAMMER
1979-1980
Herbert
KANDLER
1981-1982
Heinz
STADLER +
1982-1984
Margit
STADLER
1985-1987
Elisabeth
TREICHL
1988-1990
Alf
LERCHBAUMER
1991
Klaus
NEUNER +
1992-1994
Margit
STOCKER
1995-1997
Rüdiger
ZITTERBART
1998-2002
Alf
LERCHBAUMER
2002-2007
Gitti
LECHNER
2007-2012
Thomas
JÄGER
2012-2015
Verena BERGER ab 2015